Kläranlage

Veröffentlicht am 25.06.2026 in Ortsverein

Mut von gestern, Technik von morgen: Kläranlage Geiselhöring wird fit für die nächste Generation

Umweltschutz und soziale Verantwortung gehören zusammen – Anlage von 1981 war eine der modernsten Anlagen Bayerns

Im Rahmen der Klausurtagung der SPD-Stadtratsfraktion blickte Stadtrat Ludwig Kerscher auf die Geschichte und Zukunft der Geiselhöringer Kläranlage. Anlass ist die bevorstehende Generalsanierung der Anlage in Kolbach, deren Vorplanung inzwischen vom Stadtrat beschlossen wurde.

Die Kläranlage galt bei ihrer Inbetriebnahme im Jahr 1981 als eine der modernsten Anlagen Bayerns. Mit ihrer Auslegung auf 12.000 Einwohnergleichwerte war sie bewusst großzügig dimensioniert und auf die hohen Belastungen durch örtliche Gewerbebetriebe wie Brauereien, Metzgereien und Bäckereien ausgelegt. Zugleich wurde sie zum zentralen Baustein einer modernen Abwasserentsorgung für die Stadt und ihre Ortsteile. Die damals gewählte Kombination aus Tropfkörperanlage, Schlammfaulung und zentraler Erschließung zahlreicher Ortsteile galt als beispielhaft für den Gewässerschutz im ländlichen Raum.

„Wenn man heute auf die damaligen Entscheidungen blickt, erkennt man, wie viel Weitsicht dahintersteckte“, betonte Kerscher. „Der Mut von gestern ist das Fundament für die Technik von morgen.“

40 Jahre erstklassige Werte und niedrige Kosten

Nach mehr als 40 Jahren Betrieb haben viele Anlagenteile inzwischen das Ende ihrer technischen Lebensdauer erreicht. Die bestehende Tropfkörperanlage wird deshalb durch ein modernes Belebungs- und Kombibecken-System ersetzt. Gleichzeitig wird die Kapazität auf 15.000 Einwohnergleichwerte erweitert, um den Anforderungen der Zukunft gerecht zu werden.

Kerscher nutzte die Gelegenheit auch für einen Blick auf die Entwicklung der Abwassertechnik. Während Anfang der 1980er-Jahre vor allem die zuverlässige Reinigung organisch belasteter Abwässer im Mittelpunkt stand, rücken heute Themen wie Energieeffizienz, Klimaschutz, Phosphorrückgewinnung und die Entfernung von Spurenstoffen zunehmend in den Fokus. Moderne Vorzeigeanlagen werden teilweise als nahezu energieautarke Ressourcenfabriken konzipiert, die Energie erzeugen und wertvolle Rohstoffe zurückgewinnen.

Neues Pilotprojekt nicht realisierbar

Dennoch sei die Entscheidung Geiselhörings, bei der aktuellen Sanierung auf bewährte Verfahren nach dem heutigen Stand der Technik zu setzen, nachvollziehbar. „Eine Kommune unserer Größe muss wirtschaftlich und verantwortungsvoll planen“, erklärte Kerscher. Hochspezialisierte Technologien wie Membranbioreaktoren oder zusätzliche Ozonierungsstufen seien technisch interessant, würden jedoch erhebliche Investitions- und Betriebskosten verursachen. Das nun gewählte Konzept gewährleiste eine sichere Abwasserreinigung, erfülle alle gesetzlichen Anforderungen und lasse gleichzeitig Spielraum für künftige Entwicklungen.

SPD: Anwalt der Bürgerinnen und Bürger

Kerscher erinnerte auch an die politische Debatte rund um den Bau der Anlage. Die SPD habe das Projekt stets unterstützt, gleichzeitig aber darauf geachtet, dass die Kosten fair verteilt werden. „Umweltschutz und soziale Verantwortung gehören zusammen. Die SPD hat damals darauf gedrängt, dass nicht allein die Bürger die Lasten tragen, sondern auch die großen Einleiter ihren Beitrag leisten“, so Kerscher.

Diese Haltung sei bis heute aktuell. SPD-Ortsverein und die SPD-Stadtratsfraktion erarbeiten eine gemeinsame Resolution, in der festgeschrieben sein soll, dass sie die anstehende Kläranlagensanierung konstruktiv begleiten und dabei die Interessen der Bürgerinnen und Bürger konsequent vertreten. Die Sozialdemokraten bekennen sich ausdrücklich zur Modernisierung der Anlage als notwendige Investition in Umwelt- und Gewässerschutz. Gleichzeitig fordern sie Transparenz bei den Kosten sowie eine faire und sozial ausgewogene Finanzierung.

Für die Sozialdemokraten ist die Geschichte der Kläranlage ein Beispiel dafür, wie kommunale Zukunftsinvestitionen gelingen können: mit technischem Fortschritt, politischem Weitblick und sozialer Verantwortung. Die anstehende Modernisierung knüpft an diese Tradition an. Was 1981 als technische Spitzenlösung galt, wird heute durch eine zeitgemäße und leistungsfähige Anlage ersetzt, die den Anforderungen der kommenden Jahrzehnte gerecht werden soll.

Oder, wie Ludwig Kerscher zum Abschluss der Diskussion festhielt: „Auch heute bauen wir nicht für die nächsten fünf Jahre, sondern für die nächste Generation.“

 

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